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20 Jahre nach der Razzia: Warum The Pirate Bay bis heute nicht untergeht
01.06.2026 von Lars Sobiraj
20 Jahre nach der ersten Razzia ist der P2P-Indexer The Pirate Bay noch immer online. Wie der Einsatz die Torrent-Plattform stärker machte.


Am 31. Mai 2006 stürmten 65 schwedische Polizisten die Serverräume von The Pirate Bay. Hollywood glaubte, den weltweit größten Torrent-Tracker endgültig ausgeschaltet zu haben. Doch die Aktion erreichte das Gegenteil: Sie machte TPB zur Ikone der Filesharing-Szene – und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Und natürlich für die Piratenpartei.

Gestern vor genau 20 Jahren erfolgte einer der spektakulärsten Einsätze gegen eine Filesharing-Plattform überhaupt. Am 31. Mai 2006 beschlagnahmten schwedische Ermittler die Server von The Pirate Bay (TPB) in einem Rechenzentrum in Stockholm. Die Unterhaltungsindustrie hoffte damals auf das Ende der weltweit bekanntesten Torrent-Plattform. Stattdessen entstand daraus ein Mythos, der bis heute fortlebt. Über das Jubiläum berichtete gestern der P2P-Blog Torrentfreak.


Eine Razzia mit weitreichenden Folgen

Die schwedische Polizei rückte mit 65 Beamten an, um die Infrastruktur von The Pirate Bay sicherzustellen. Hintergrund waren Ermittlungen wegen Urheberrechtsverletzungen. Nach später veröffentlichten Dokumenten hatte die US-amerikanische Filmindustrie zuvor erheblichen Druck auf die schwedischen Behörden ausgeübt.

Bereits Monate vor dem Einsatz hatten Vertreter der Motion Picture Association (MPA) Gespräche mit US-Diplomaten und schwedischen Regierungsvertretern geführt. Ziel war es, gegen die Betreiber der Plattform vorzugehen.


Das Backup, das alles veränderte

Kurz vor dem Zugriff bemerkten die Mitgründer Gottfrid Svartholm und Fredrik Neij ungewöhnliche Aktivitäten. Als die ersten Hinweise auf eine bevorstehende Durchsuchung auftauchten, traf Neij eine Entscheidung, die sich später als entscheidend erweisen sollte: Er fertigte eine vollständige Sicherung der Plattform an.

Diese Datensicherung ermöglichte es dem Team, The Pirate Bay innerhalb von nur drei Tagen wieder online zu bringen. Statt dauerhaft vom Netz zu verschwinden, kehrte die Seite stärker zurück als zuvor.


Aus „The Pirate Bay“ wurde kurzzeitig „The Police Bay“

Die Betreiber reagierten auf die Beschlagnahmung mit ihrem typischen Humor. Nach dem Neustart präsentierte sich die Plattform vorübergehend als „The Police Bay“ und verspottete die Behörden mit einem neuen Logo. Wenig später wurde dieses durch einen Phönix ersetzt – als Symbol für die Wiederauferstehung aus der Asche.

Die mediale Aufmerksamkeit sorgte weltweit für Schlagzeilen. Während Hollywood auf Abschreckung setzte, verzeichnete die Plattform einen massiven Besucheranstieg.


US-Regierung spielte offenbar eine Schlüsselrolle

Lange blieb unklar, welchen Einfluss die Vereinigten Staaten tatsächlich auf die Ermittlungen hatten. Erst durch Dokumente, die 2017 über den Freedom of Information Act (FOIA) veröffentlicht wurden, kamen weitere Details ans Licht.

Aus diplomatischen Depeschen geht hervor, dass die US-Botschaft in Stockholm wiederholt Gespräche mit schwedischen Behörden führte. Dabei erwähnte man The Pirate Bay ausdrücklich als ein Ziel mit einer hohen Priorität. In einem späteren Schreiben behauptete jemand, die Bemühungen eines Botschaftsmitarbeiters hätten direkt zu der Entscheidung beigetragen, die Online-Plattform zu durchsuchen und vom Netz zu nehmen.


Verurteilungen und ein Führungswechsel

Für die Gründer hatte die Razzia langfristige Konsequenzen. Die Ermittlungen führten zu einem der bekanntesten Urheberrechtsprozesse Europas. Mehrere Beteiligte wurden später zu Haftstrafen und Schadensersatzzahlungen verurteilt.

Nach den Verfahren zogen sich zahlreiche Personen aus dem Umfeld der Plattform zurück. Die Kontrolle über The Pirate Bay ging schließlich an eine weitgehend anonyme Betreibergruppe über, die Berichten zufolge außerhalb Europas agierte.


Auch die zweite Razzia überstand TPB

Im Jahr 2014 verschwand The Pirate Bay erneut nach einem Polizeieinsatz in Stockholm für mehrere Wochen aus dem Netz. Selbst Moderatoren der Plattform wussten damals nicht, wer die Infrastruktur kontrollierte oder wann ein Neustart erfolgen würde.

Doch auch diese Abschaltung erwies sich nur als vorübergehend. Wenig später war die Seite wieder erreichbar.


Die wohl widerstandsfähigste Torrent-Seite der Welt

Heute bezeichnet sich The Pirate Bay selbst als die „widerstandsfähigste Torrent-Seite der Galaxie“. Betrachtet man die Ereignisse der vergangenen zwei Jahrzehnte, erscheint diese Eigenbeschreibung nicht völlig übertrieben.

Die Razzia von 2006 sollte ein Exempel statuieren und die Plattform dauerhaft beseitigen. Stattdessen wurde sie zum Symbol des digitalen Widerstands gegen die Unterhaltungsindustrie und staatliche Eingriffe im Internet.


The Pirate Bay: Was nach dem Wechsel der Leitung geschah

Zwei Jahrzehnte später ist The Pirate Bay noch immer online – und damit eines der langlebigsten Kapitel der Geschichte des Filesharings. Auch das dazugehörige Forum Suprbay erfreut sich vieler aktiver Nutzer. Andere Projekte der Gründer, wie etwa das Streaming-Portal BayStream oder der Sharehoster BayFiles sind schon lange von der Bildfläche verschwunden. Mitgründer Peter Sunde hat nach seinem offiziellen Ausstieg zunächst die Spendenplattform Flattr und später den Domain-Registrar Njalla aus der Taufe gehoben. Der Vorgänger von Njalla war der VPN-Dienst IPredator.

Aufgrund der Razzia entstand auch die internationale Bewegung der Piratenpartei, die bis heute in verschiedenen Ländern politisch aktiv ist. Insbesondere Peter Sunde spielte dabei eine wichtige Rolle. Er war lange Zeit das öffentliche Gesicht von The Pirate Bay und unterstützte die Piratenbewegung. Später kandidierte Sunde sogar für die Piratenpartei Finnland bei den Europawahlen 2014.

quelle: tarnkappe.info

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