Geschrieben von Whitebird am 20.08.2026 um 16:09:
IPTV-Reseller: „Ich verticke Abos fast wie ein Drogenhändler“
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IPTV-Reseller: „Ich verticke Abos fast wie ein Drogenhändler“
18.08.2026 von Antonia Frank
IPTV-Reseller packt aus: 1.000 Kunden und angeblich 100.000 Euro Jahresverdienst mit illegalen Pay-TV-Abos.
Ein IPTV-Reseller verdient nach eigenen Angaben mit illegalen Pay-TV-Abos gutes Geld. Mehr als 1.000 Kunden soll der 34-jährige Familienvater aus Niedersachsen versorgen, rund 100.000 Euro im Jahr will er damit einnehmen. Im Gespräch mit BILDplus erklärt der anonyme Wiederverkäufer, wie der Schwarzmarkt für Pay-TV-Zugänge funktioniert und warum er sich bisher vor Ermittlern sicher fühlt.
Gegenüber BILDplus gewährt der IPTV-Reseller einen ungewöhnlich offenen Einblick in die Strukturen hinter dem illegalen Streaming-Markt. Er spricht von der Kundenakquise über Telegram und Foren bis hin zum anonymen Bezahlen. Sein Geschäftsmodell beschreibt er dabei selbst mit einem drastischen Vergleich:
| Zitat: |
| „Ich verticke Abos fast wie ein Drogenhändler.“ |
Vom Frust über teures Pay-TV zum illegalen Geschäft
Hinter dem Angebot, für wenige Euro im Monat Fußball, Filme und Tausende Fernsehsender zu schauen, steckt ein florierender Schwarzmarkt. Ein anonymer IPTV-Reseller aus Niedersachsen hat gegenüber BILDplus nun Einblicke in dieses Geschäft gegeben.
Der 34-jährige Familienvater aus der Nähe von Bremen will unerkannt bleiben. Nach eigenen Angaben verkauft er seit Jahren Zugänge zu illegalen IPTV-Diensten weiter. Sein Einstieg in die Szene habe aus Frust über steigende Preise für reguläres Pay-TV begonnen. 2018 sei er in einer Telegram-Gruppe auf ein illegales Streaming-Angebot gestoßen. Zunächst habe er selbst einen Zugang gekauft. Bereits kurze Zeit später habe er dann damit begonnen, die IPTV-Zugänge an andere weiterzuverkaufen. Gegenüber BILDplus erklärt der Mann:
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| „Ich habe schnell gemerkt, dass dahinter ein riesiges Geschäft steckt“ |
Viele Interessenten hätten nicht gewusst, wo sie solche Angebote finden. Die Lücke habe er für sich genutzt.
Vom Nebenverdienst zum Schwarzmarkt-Geschäft
Laut BILDplus führt der IPTV-Reseller aus, dass sich sein Kundenkreis anfangs noch auf Verwandte, Nachbarn und Kollegen beschränkte. Das Geschäft sprach sich allerdings schnell herum. So entwickelte sich für ihn aus einzelnen Weiterverkäufen im Laufe der Zeit ein lukratives Vertriebsmodell. Er kauft zunächst größere Kontingente bei illegalen IPTV-Anbietern und verkauft dann einzelne Zugänge weiter an Endkunden. Je größer die Abnahmemenge, desto günstiger werde der Einkauf und desto höher auch die eigene Marge.
Damit übernimmt er als Wiederverkäufer eine Zwischenhändlerrolle. Die technische Infrastruktur für die unerlaubte Verbreitung der TV-Signale wird von den Betreibern der Streaming-Plattformen bereitgestellt. Der Reseller nutzt diese Struktur für sein eigenes Vertriebsmodell. Folglich muss der Plattformbetreiber muss nicht selbst über eigene Webseiten Tausende Endkunden akquirieren und betreuen. Reseller übernehmen einen Teil der Kundengewinnung. Sie sorgen dafür, dass die Zugänge über persönliche Kontakte und Szene-Plattformen weiterverbreitet werden. Aus einem einzelnen illegalen Streaming-Angebot kann so ein weit verzweigtes Vertriebsnetz entstehen. Zugleich erschwert es diese Vertriebsstruktur Rechteinhabern, den Schwarzmarkt zu bekämpfen.
Während der Corona-Pandemie habe der 34-Jährige damit begonnen, gezielt nach neuen Kunden zu suchen. Dafür habe er sich auch in einschlägigen Streaming-Foren umgesehen. Aktuell sei er in solchen Foren, auf Reddit und in Telegram-Gruppen aktiv. Mittlerweile betreut der Mann mehr als 1.000 Nutzer illegaler IPTV-Angebote.
Einnahmen von 100.000 Euro im Jahr – angeblich
Die Preise, die der Wiederverkäufer seinen Kunden nennt, liegen laut BILDplus zwischen 10 und 20 Euro im Monat. Jahreszugänge würden für rund 100 Euro angeboten. Bezahlt werde dafür anonym, etwa mit Kryptowährungen, Gutscheinen oder Paysafe-Karten. Neben seinem regulären Job in einer Spedition verdiene der Familienvater nach eigener Aussage mit dem Geschäft rund 100.000 Euro pro Jahr.
Die Angebote gebe es bereits seit 2018. Sie umfassen laut BILDplus Webseiten, Kundensupport und Apps für Smart-TVs ebenso wie umfangreiche Senderlisten. Geworben wird mit bis zu 20.000 TV-Sendern. Auch für Kunden wäre der Einstieg denkbar einfach. Sie benötigten lediglich Smart-TV, passende App und Zugangscode.
Die Dimension des von dem IPTV-Reseller beschriebenen Geschäfts bleibt an mehreren Stellen schwer überprüfbar. Der Mann zeigt der BILD-Reporterin Plattformen und Foren, auf denen illegale Angebote beworben werden. Des Weiteren führt er an, dass er mit einem der größten Anbieter bereits seit Jahren kooperiere. Wo genau dieser seinen Sitz habe, wisse er allerdings nicht. Er vermutet Russland als Standort, kann seine Einschätzung jedoch nicht belegen. Konkrete Namen und Internetadressen der von BILDplus untersuchten Angebote wurden bewusst nicht veröffentlicht.
7,7 Millionen Deutsche nutzen illegale TV-Streams
Nach einem von Goldmedia im Auftrag von VAUNET, dem Verband Privater Medien, erstellten Gutachten vom Mai 2026 nutzten 2025 rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland illegal lineare TV-Streams.
Dem Gutachten zufolge entgingen dem Staat dadurch jährlich rund 542 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben. Gegenüber 2022 entspricht das einem Anstieg von knapp 40 Prozent. Der direkte wirtschaftliche Schaden für die betroffenen Medienunternehmen wurde auf rund 1,5 Milliarden Euro beziffert.
IPTV-Reseller: Zwischen Geschäft und Strafverfahren
DAZN erklärte auf Anfrage von BILDplus, das Unternehmen gehe:
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| „technisch, rechtlich und gemeinsam mit Partnern konsequent gegen Piraterie vor. Dazu gehören unter anderem das Monitoring illegaler Streams, Takedown-Prozesse, technische Schutzmaßnahmen sowie rechtliche Schritte gegen Betreiber, Vertriebsnetzwerke illegaler Angebote und auch Nutzer.“ |
Sky beantwortete eine Anfrage von BILDplus zu den konkreten Maßnahmen gegen illegale Streamingportale bisher nicht.
Mit einer Strafverfolgung geraten nicht nur die eigentlichen Betreiber ins Visier. Auch die Vertriebsstruktur rund um illegale Pay-TV-Zugänge kann für Ermittler interessant werden. BILDplus greift als Beispiel dafür einen
Gerichtsfall des Amtsgerichts Münsingen aus dem Jahr 2024 auf. Ein 61-Jähriger wurde dort wegen Computerbetrugs in fünf Fällen in Verbindung mit dem Ausspähen von Daten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem wurden noch 3.959,66 Euro als Wertersatz eingezogen.
Der Mann hatte nicht nur selbst einen illegalen IPTV-Dienst genutzt, sondern auch von einem Interessenten Bargeld entgegengenommen. Dieser sollte dafür einen Zugang zu dem illegalen Streaming-Angebot erhalten. Das Gericht stufte sein Verhalten deshalb als gewerbsmäßig ein.
Rechtsanwalt Raban Funk aus Stolzenau weist laut BILDplus bei Wiederverkäufern auf mögliche Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung und Datenhehlerei hin. Je nach Einzelfall könne außerdem ein unerlaubter Eingriff in technische Schutzmaßnahmen eine Rolle spielen.
Aber auch Kunden sollten sich nicht darauf verlassen, dass ein günstiger IPTV-Zugang für sie folgenlos bleibt. Nach Einschätzung des Juristen können auch Nutzer fremder Zugangsdaten strafrechtlich belangt werden. Zivilrechtlich könnten zudem Abmahnungen und erhebliche Zahlungsforderungen drohen. Welche rechtlichen Folgen tatsächlich eintreten, hängt allerdings vom konkreten Angebot, der Art der Nutzung und den Umständen des jeweiligen Falls ab.
IPTV-Reseller: „Das muss man mir erst einmal nachweisen“
Der anonyme IPTV-Reseller ist bisher juristisch noch nicht ins Visier von Ermittlern gekommen und zeigt sich gegenüber BILDplus entsprechend selbstbewusst. Die Frage nach einem möglichen schlechten Gewissen verneint er. Schließlich müsse man ihm die Rechtsverstöße erst einmal nachweisen. Außerdem seien seine Kunden zufrieden.
vollständiger Text >>>quelle: tarnkappe.info